Vergewaltigungsmythenakzeptanz bei RechtsanwältInnen

… aus der Sicht einer Diplom-Psychologin (Susen Werner):

Stereotype Vorstellungen über Vergewaltigungen (Vergewaltigungsmythenakzeptanz) als Prädiktoren der Beurteilung von Vergewaltigungsdelikten durch RechtsanwältInnen (Susen Werner, 2011). Diplomarbeit zur Erlangung des Grades einer Diplom-Psychologin, Sommersemester 2010.

Die Arbeit wurde vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) unter „Fachliteratur“ eingestellt, im Moment kann sie über diese Seite: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/fachliteratur-kopie.html aufgerufen und heruntergeladen werden ( Vergewaltigungsmythenakzeptanz_Diplomarbeit_Susen_Werner.pdf (9,7 MB) ) –

Aus dem Inhaltsverzeichnis:

Unter „Funktionen von Vergewaltigungsmythen“:

    • Manifestation patriarchalischer Machtstrukturen
    • Geschlechtsspezifische Funktionen

Unter „Darstellung bisheriger Forschungsbefunde …“:

    • Die als Provokation bewerteten Faktoren
    • Der durch das Opfer geleistete Widerstand
    • Die physische Attraktivität des Opfers
    • Die Wahrscheinlichkeit sich mit dem Opfer/Täter zu identifizieren
    • Stereotype Vorstellungen bezogen auf die verschiedenen Geschlechterrollen
    • Vergewaltigungsopfer im Dschungel der Justiz

Im Anhang auch verschiedene Fragebogen, die zur Messung der Vergewaltigungsmythen- akzeptanz genutzt wurden, auch wegen der Methoden, mit denen so etwas untersucht wird, eine sehr interessante Arbeit!

Hier ein Ausschnitt aus dem letzten Kapitel  6. Fazit und Ausblick:

[…] Das Fazit „Fear of rape is of course a day-to-day concern for many women“ (Gordon & Riger, 1989) hat auch 2010 nichts an seiner Aktualität verloren.  In  vielen  Teilen  der  Welt  existiert  nach  wie  vor  ein  System  männlicher  Herrschaft, welches sich keinen besseren Schutz wünschen kann, als eine komplette Mythologie bzw. ein vollständiges Regelwerk bestehend aus Lügen und Stereotypen, welches nicht nur die Entschuldigung bzw. das Leugnen sexueller Gewalt durch Männer ermöglicht, sondern gleichzeitig die Schuld des Täters verharmlost und sie dementsprechend zu Ungunsten des Opfers verschiebt.

Das fundamentale Problem dieser Mythen ist, dass sie nicht nur ein paar harmlose ständig weitergetragene Geschichten sind, sondern dass sie eine destruktive Gewalt entfalten und fördern, unter welcher ein großer Teil von Frauen nach wie vor zu leiden hat. Männliche Machtstrukturen dienen nicht nur der Unterdrückung von Frauen. Wie in dieser Arbeit gesehen, unterstützt die Konzentration dieser Macht die Diskriminierung diverser Individuen, welche nicht dem Bild des männlichen Prototyps, mit dementsprechenden als wünschenswert erscheinenden maskulinen Eigenschaften, entsprechen.

VMA [Vergewaltigungsmythenakzeptanz] ist ein gesellschaftliches Problem. Würden Vergewaltigungsmythen in einem Vakuum geäußert oder auf taube Ohren stoßen, wären sie nicht ansatzweise so gefährlich. Dies ist aber nicht der Fall. Wir wachsen mit ihnen u.a. aufgrund permanent gegenwärtiger sexistischer Werbung (z. Bsp. Marschik & Dorer, 2002; Reader der AG Sexismus in der Werbung20), diskriminierender Sprache, Witzen und Sprachregelungen (z. Bsp. Bohner & Eyssel, 2007; Ehrlich, 2001; Lea, 2007), unserer Popkultur (Abbey, 2005), den Medien (Russell, 2008), unterschiedlichen Rechten und Pflichten auch nach und mit z. Bsp. Beauvoirs „Le Deuxième Sexe“ (1949) und der kritischen Genderforschung einer Butler (2006) auf. (S. 128)

Food for thought…

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