Vergewaltigungsmythenakzeptanz – unter anderem bei ÄrztInnen

Brosi, Nicola, Untersuchung zur Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München, 2004

Hier der Link zur Arbeit:

http://edoc.ub.uni-muenchen.de/3002/1/Brosi_Nicola.pdf

Die Arbeit wird auch häufiger zitiert – sie ist vergleichsweise kurz und enthält keine ’neuen‘ Ergebnisse per se, was allerdings kaum Brosis Schuld ist. Die Vergewaltigungsmythen – zuerst offenbar von amerikanischen Feministinnen in den 1970ern untersucht und bekannt gemacht (Grundlage: BROWNMILLER, Susan. (1975). Against Our Will. New York., und dann viele andere auf der ganzen Welt, Ergänzungen willkommen!!) – haben sich leider nicht wirklich geändert, was ihre Aktzeptanz angeht.

Die Arbeit bietet einen Schnellkurs über Literatur zum Thema und über das methodische Vorgehen bei solchen Studien. (Die Diplom-Arbeit von Susen Werner, siehe Inhaltsverzeichnis LeseEcke, tut das auch, aber sehr viel ausführlicher und gründlicher!)

Im Anhang der Arbeit ist der genutzte Fragenbogen zur Messung von Vergewaltigungsmythenakzeptanz.

Fazit (u.a.):

Rund 39 % aller Frauen werden mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt. Als Folge könnte auch die Frau, die eben ihren Gynäkologen konsultiert, zu den Frauen gehören, die von einer sexuellen Gewalterfahrung traumatisiert worden sind und für die es beinahe unmöglich ist, über diese Erfahrung ohne Hilfe zu reden. Wenn der/die behandelnde Arzt/Ärztin es versäumt, die Patientin auf mögliche sexuelle Gewalterfahrung anzusprechen und damit den Auslöser ihrer Beschwerden herauszufinden, kann die Patientin nicht effektiv behandelt werden. Sowohl das Versäumnis von ÄrzteInnen, sexuelle Gewalterfahrungen in Betracht zu ziehen, als auch das Schweigen der Patientin über die gemachte Erfahrung kann von einer relativ hohen Vergewaltigungsmythenakzeptanz (VMA) herrühren. Deshalb ist VMA für die Frauenheilkunde hoch relevant. […] Es bleibt festzustellen, dass VM weit verbreitet sind und Männer stärker an sie glauben als Frauen. Um den Umgang mit Opfern von sexueller Gewalt in der Frauenheilkunde zu verbessern, wäre es wünschenswert, Ärzte, Hebammen und Pflegepersonal über die Ursachen und Folgen sexueller Gewalt aufzuklären und im Umgang mit Opfern zu schulen. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe allerdings besteht darin, Gewalt gegen Frauen weder als Kavaliersdelikt zu bewerten noch Frauen eine Mitschuld zuzuschreiben. (S. 33-34)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bibliothek veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s