Männer mal vor mir!

Was ist das für eine Kultur, die Sex und Gewalt für normaler hält als Sex und Einverständnis? Die „Potenz“ als Leistungssport vermittelt – je mehr desto härter desto macho? Die aus netten Jungs verunsicherte Jungs macht und aus Idioten Vorbilder? Die so tut, als wäre Sex „Leistung“.

Ausschnitt aus einer Slutwalkrede in München am 6. Oktober 2012

Solange es absolut ‚normal‘ ist, dass der Mann die Frau bewertet – und dabei ihr Aussehen, ihr Sexualleben, ihr Verhalten nur auf sich bezieht, weil er sich das anders nicht vorstellen kann, wird sich an der Gewalt nichts ändern. Wie heißt es auf vielen Slutwalks: Believe it or not – my short skirt has nothing to do with you. Ob du’s glaubst oder nicht, mein Rock hat mit dir nichts zu tun. Dies ist eine der wichtigsten Botschaften hier. Und nicht nur der Rock. Auch mein Tanzen. Meine Gespräche. Meine Hobbies, meine Karriere, mein Leben – du bist nicht dazu abgestellt, das zu kommentieren oder zu bewerten. Du stehst nämlich nicht über mir. Und ich stehe nicht hier, um dir zu gefallen.

Wir müssen diesen dominierenden Blick auf Frauen abschaffen. Diese feste Überzeugung, dass Frauen nur dazu da sind, angeblich „männliche“ Bedürfnisse zu erfüllen. Ein Blick, der besagt, dass die Ausbeutung von Frauen, das Benutzen von Frauen für die eigene Befriedigung und das eigene Machtgefühl doch ganz normal sind und ganz in Ordnung. Ein Blick, der bestenfalls die groben Exzesse ablehnt, sich aber nie in Frage stellt. Ein Blick, dem sich viele von uns viel zu oft viel zu einfach unterordnen.

Und hier brauchen wir nicht alleine die Frauen. Wirklich, die Mädels haben schon alles gemacht. Sie sind selbstbewusst. Sie sagen, was sie wollen. Sie organisieren Slutwalks und Demos, Internetaktionen, bei denen sie zu dritt 20-Stunden-Schichten am PC aufteilen – neben ihrer normalen Arbeit, sie schreiben Briefe an Ministerien und mobilisieren Unterstützung. Sie forschen. Sie zeigen Straftaten an. Sie sind laut.

Hier brauchen wir die Männer. Hier brauchen wir die Männer, die fragen: „derf i?“, die Konsens-Spatzln! Die Männer, die den anderen sagen – du bist nicht cool, du bist blöd, wenn du die Frau belästigst. Du bist ein Kleinkind, wenn du deine Pfoten nicht bei dir lässt.

Männer, die hinterfragen – was ist das für eine Kultur, die Sex und Gewalt für normaler hält als Sex und Einverständnis. Die „Potenz“ als Leistungssport vermittelt – je mehr desto härter desto macho. Die aus netten Jungs verunsicherte Jungs macht und aus Idioten Vorbilder. Die so tut, als wäre Sex „Leistung“ – Mann muss das bringen, Frau muss das einlösen. Ob das wirklich noch Spaß macht – ist dann egal. Ob da Respekt, gleichzeitig und zusammen Spaß dabei ist – egal. Denn Männer „müssen“ ja immer, und Frauen wollen ja „immer“  – sieht man ja auf jedem Plakat, in jeder Werbung, und wenn sie sich dann so anzieht – dann will sie’s ja auch, und zwar sofort und mit jedem.

Und dieses Bild ist Schrott. Keine Frau will vergewaltigt werden. Keine Frau will benutzt werden. Und die meisten Männer wissen das. Und diese Männer, die das wissen – die will ich nicht nur da haben, wo sie schon sind – die stehen meist voll hinter mir – die will ich jetzt mal vor mir haben, aktiv, in Diskussionen, nicht mit mir – ich weiß das alles, sondern mit anderen Männern. Da sind schon viele Männer da, und die brauchen Unterstützung. Von anderen Männern.

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