„Je déclare avoir été violée“ – Le manifeste des 313

Das französische Magazin „Le Nouvel Observateur“ hat in seiner Ausgabe vom 22. November 2012 das Manifest der 313 sowie eine Unterschriftensammlung veröffentlicht, die Frauen aufruft, öffentlich bekannt zu machen, dass sie vergewaltigt wurden. Im Jahr 1971 hatten 343 Frauen in demselben Magazin bekannt gemacht, dass sie abgetrieben hatten. 313 Frauen, darunter viele Prominente aus Frankreich, haben das Manifest unterschrieben und die Unterschriftsammlung geht weiter: Die Tennisspielerin Isabelle Demongeot, die ex-Frau vom Premier Minister Marie-Laure de Villepin, die Autorin und Regisseurin Frédérique Hébrard, die Politikerin Clémentine Autain haben unterschrieben. Nach dem Skandal DSK haben sich Frauen erhoben und wollen sexuelle Gewalt beenden.

Der Nouvel Observateur  gibt sogar Zahlen: „Jedes Jahr werden in Frankreich  mehr als 75 000 Frauen und fast genau so viele Kinder vergewaltigt. Dies bedeutet eine Vergewaltigung alle 8 Minuten.“ Jede zehnte Frau wird vergewaltigt.  80% aller Vergewaltigungen finden innerhalb der Familie statt.

http://tempsreel.nouvelobs.com/viol-le-manifeste/20121119.OBS9861/je-declare-avoir-ete-violee-l-obs-lance-le-manifeste-des-313.html

Nachtrag:

Laut „Jungle World„, Nr. 49, 6. Dezember 2012 sind es inzwischen 343 Frauen – eine Zahl mit symbolischer Bedeutung – sie entspricht der Zahl der Frauen, die anfangs der 70er Jahre in Frankreich mit dem Satz „Ich habe abgetrieben“ an die Öffentlichkeit gingen.

Dem Manifest der 343, beziehungsweise dem darin enthaltenen Aufruf, über eine erlebte Vergewaltigung zu berichten, sind in Frankreich inzwischen über 700 Frauen gefolgt. Was sie erzählen, bietet nach wie vor dringende Aufklärung zum Thema: Die meisten Täter waren ihnen bekannt, und in der gegebenen Situation konnten sie sich nicht wehren, egal, wie ihre Umgebung das dann im nachhinein auslegt.

Der Artikel in Jungle World schließt mit folgender Zusammenfassung:

„Das Manifest ist gleichzeitig Höhepunkt einer öffentlichen Auseinandersetzung um sexuelle Gewalt und der erste Anstoß für eine politische Aufarbeitung. Durch die personalisierte Kampagne wird einmal mehr deutlich, dass es sich bei Vergewaltigung um ein Verbrechen handelt, dass in allen Gesellschaftsschichten vorkommt. Es ist ermutigend, dass diese Erkenntnis nun nicht mehr als feministisches Nischenthema behandelt wird. Trotzdem wird das Anliegen des Manifests in der medialen Öffentlichkeit mehr als humanitäre, denn als politische Frage eingestuft. Bislang zögert auch die französische Regierung, Stellung zu beziehen. Dem Tatendrang der Frauen nach zu schließen, wird sie sich aber nicht mehr lange bitten lassen können.“

Hoffen wir, dass dies auf die Dauer nicht nur für Frankreich gilt, und das der politische Aspekt des Themas besser wahrgenommen wird. Ich selber bin da allerdings skeptisch – vielleicht kommt Frankreich voran, aber hierzulande …

In der taz vom 23. November 2012 erschien unter dem Titel „Ich wurde vergewaltigt“. Wir sind nicht so liberal wie wir denken ebenfalls ein Artikel zu der französischen Aktion.

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