Hilfsangebote für Frauen bei Gewalt: Bericht der Bundesregierung

Bericht der Bundesregierung zur Situation der Frauenhäuser, Fachberatungsstellen und anderer Unterstützungsangebote für gewaltbetroffende Frauen und deren Kinder.

Anders als die bisherigen Studien zur Gewaltsituation von Frauen in Deutschland wurde die jetzige Studie nicht am Interdisziplinären Institut zur Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld erstellt, sondern von von diesen Instituten:
FrauenForschungsInstitut Freiburg und Universität Bayreuth.

Verantwortliche Leitung lag bei:

Prof. Dr. Cornelia Helfferich, Sozialwiss. FrauenForschungsInstitut Freiburg / Ev. Hochschule Freiburg

Prof. Dr. Barbara Kavemann, Sozialwiss. FrauenForschungsInstitutFreiburg / Kath. Hochschule Berlin

Prof. Dr. Stephan Rixen, Universität Bayreut

Einige Untersuchungsschwerpunkte und Ergebnisse:

Obwohl besonders Frauenhäuser als Anlaufstelle bei Gewaltbetroffenheit bekannt sind, kommen auf etwa eine Frau, die Beratung gesucht hat, zwei, die dies trotz Gewalterfahrung nicht tun (S. 204). Eine wesentliche Barriere gegen das Nutzen von Hilfsangeboten ist die „Privatheit der Gewalterfahrung“ (S. 203 et al). Entsprechend suchen Frauen bei Gewalterfahrung durch (Ex-)Partner seltener Hilfsangebote auf (S.202). Die Studie erkennt hier einen hohen Bedarf an psychosozialer Beratung, um die Situation zu verbessern (S. 205).
Etwa die Hälfte der Frauen, die entsprechende Angebote nutzen, tun dies zeitnah (innerhalb der ersten 1,4 Monate). Gleichzeitig melden sich viele Frauen auch erst nach einem langen Zeitraum (S. 204).

Für drei Viertel der Frauen, die Angaben machten, hat sich die Situation nach der Beratung verbessert (S. 204).

Bei sexueller Gewalt nennen die meisten befragten Personen (in der Bevölkerung insgesamt, also unabhängig von eigenen Erfahrungen) eher therapeutische Hilfe als Frauenhäuser, bei sonstiger Gewalt Frauenhäuser und Arzt/Ärztin. Das Vertrauen in Frauenhäuser ist hoch. (S. 192)

Die umfangreiche Studie befasst sich außerdem sowohl mit den verschiedenen Hilfsangeboten als auch mit deren Finanzierungssituation unter Berücksichtigung der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland, vereinfacht ausgedrückt mit der Frage, wann der Bund, wann die Länder und wann die Kommunen für die Finanzierung einzelner Angebote zuständig ist. Sie enthält eine Aufschlüsselung der jeweiligen Bestimmungen der verschiedenen Länder dazu.

Darüberhinaus finden sich Untersuchungen über den tatsächlichen Zugang zu den Hilfsangeboten unter Berücksichtigung des Bildungsgrades der Betroffenen. Die Studie stellt dabei folgendes fest:

Die Unterstützungsangebote – Frauenhäuser und Fachberatungsstellen – sind nicht für alle Betroffenen gleichermaßen zugänglich: Es sind Probleme bei der Versorgung einzelner Gruppen von Betroffenen zu erkennen, vor allem bei Frauen, die (a) psychisch erkrankt sind und bei (b) suchtkranken Frauen. Auch Frauen mit (c) Beeinträchtigungen und Behin- derungen haben nur teilweise barrierefreien Zugang, für die Arbeit mit Migrantinnen (d) fehlt es an Geldern für Sprachmittlung
(S. 208)

Für die ersten beiden Gruppen – psychische Erkrankung und Suchtbehandlung – wird neben einer engeren Kooperation von Hilfsangeboten und Kliniken – angeregt, die Arbeit der Frauenhäuser zu erweitern und mit professionellen Kräften zu gestalten, in größeren Städten dabei spezialisierte Frauenhäuser anzubieten. Darüber hinaus empfiehlt die Studie die Weiterbildung sowohl der Mitarbeiterinnen in den Frauenhäusern und Hilfseinrichtungen als auch der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Bereich der Drogenhilfe und der Psychatrie. Entsprechendes gilt für die Barrierefreiheit der Beratungsstellen und Frauenhäuser zusätzlich zu entsprechenden Umbaumaßnahmen. Um Migrantinnen besser zu schützen wird indirekt eine bessere Finanzierung von Übersetzungsangeboten angeregt.

Die Studie bietet einen umfangreichen Anhang mit Statistiken zum Thema.

(Der Studie vorangestellt ist eine ausführliche Stellungnahme der Bundesregierung, daher findet sich das Inhaltsverzeichnis der Studie de facto auf Seite ’31‘, auch wenn dies natürlich anders gezählt wird.)

Advertisements
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Daten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s